Die erste Garde: die Prätorianer

Als Heer im Heer lag in den Händen der Prätorianer  - der Leibgarde des Princeps - mehr als einmal das Schicksal des gesamten Imperiums.

Die Prätorianergarde in Rom wurde von Augustus 22/21 v. Chr. begründet, nachdem eine Verschwörung die Stabilität des Imperiums, ja sogar das Leben des Kaisers in Gefahr gebracht hatte. Sie bestand aus neun bis sechzehn Kohorten, die bereits von der Regierungszeit Kaiser Tiberius` an - entgegen dem Gesetz, nach welchem in Rom keine bewaffneten Soldaten stationiert sein durften - in der Hauptstadt selbst untergebracht waren. Der oberste Offizier der Garde war der praefectus praetorio aus dem Ritterstand, der wegen der heiklen Aufgabe das vollste Vertrauen des Kaisers genoss und eine wichtige Rolle spielte.

Die Garde bestand aus ausgezeichnet ausgebildeten Berufssoldaten, die jeder Aufgabe gewachsen waren, und stellte die Elite des römischen Heeres dar. Oft waren sie in Nachfolgestreitigkeiten verwickelt, wie etwa bei der Ermordung des Caligula 41 n. Chr., als die Prätorianer Claudius zu seinem Nachfolger ausriefen.

Organisation, Rekrutierung und Leben der Praetorianer

Jede Kohorte wurde von einem Tribun befehligt und bestand aus sechs Zenturien mit insgesamt 1000 Infanteriesoldaten, die von einer Kavallerieabteilung unterstützt wurden. Alle Soldaten mussten sich freiwillig melden und freie Bürger Roms sein. Die Dienstzeit betrug - anstatt 20 - 25 Jahre der "gewöhnlichen" Legionäre - lediglich 16 Jahre und die Bezahlung war hervorragend: 500 Denare unter Augustus bis hin zu stattlichen 2500 Denaren zur Zeit Caracallas. Zu diesem Sold kamen noch großzügige Zuwendungen - sogenannte Donative -  anlässlich von Feierlichkeiten oder als Anerkennung für besondere Verdienste.

Das Alltagsleben eines Soldaten der Praetorianergarde abseits der Kampfhandlungen war weitaus angenehmer als das eines gewöhnlichen Legionaers: Zur täglichen Routine gehörte nach kurzem morgendlichen Exerzieren die persönliche Koerperpflege in den Thermen Roms, danach eine Mahlzeit und freier Ausgang. Der Speisepan war reichhaltig und enthielt täglich Fleischspeisen. In der Freizeit standen alle Attraktionen der Stadt zur Verfügung: Theater, Thermen, Gladiatorenkämpfe, Tavernen und thermopolia (die Snack-Bars jener Zeit).

Die Stationierung

Unter Kaiser Tiberius wurde von 21 bis 23 n. Chr. die castra praetoria im Nordosten Roms auf dem Viminal, außerhalb der Servianischen Stadtmauer, errichtet. Sie diente wahrscheinlich auch als Unterkunft für die paramiltärischen cohortes urbanae. Das Areal war mit einer 4,75 m hohen Ziegelmauer umgeben und maß 440 Meter mal 380 Meter.

       Dieses weitläufige Areal war befestigt und beherbergte die Kammern für die Soldaten, großzügigere Räum-lichkeiten für die Offiziere, die Kommandogebäude, Vorrats- und Waffenlager, Stallungen und sogar ein Feldlazarett, wobei all das von außen völlig unabhängig und autark funktionierte.

Die Kohortennummern für die Prätorianer waren die I bis IX. Die Stadtkohorten schlossen sich der ab Cohors X der Nummerierung an. Neben den vigiles (Feuerwehr) mit vielen Wachlokalen war auch eine berittene Gardeeinheit stets verfügbar. Sie nannten sich Equites singulares augusti und waren im Bereich des heutigen Laterans in Rom untergebracht.

Die Insignien der Praetorianer

Jeder römische Bürger erkannte einen Angehörigen der Prätorianergarde sofort, sei es an der unverwechselbaren Ausrüstung - ein auf den Leib geschmiedeter Brustpanzer statt der typischen Spangenrüstung (lorica segmentata) der Legionäre, dem Lederstreifenschurz (pteryges) zum Schutz vor Hieben, kammartiger Helmzier (gefärbte Federn oder Rosshaar) und hohem Stirnschutz, ovalem Schild mit Blitzemblem (bzw. Skorpionemblem unter Augustus, dessen Sternzeichen) - oder am Antlitz des Kaisers auf den Bannern, die über ihnen wehten. Als Elitesoldaten stellten sie den bewaffneten Arm der römischen Macht dar, was ihnen wohl bewusst war...

(Quelle: Das Römische Reich, 2006, Kaiser Verlag GmbH, Klagenfurt)

Literaturempfehlungen:

  • Die römische Armee, M. Simkins + R. Embleton, 2005, Siegler Verlag GmbH
  • Unter den goldenen Adlern, der Waffenschmuck des römischen Imperiums, Ernst Künzl, Verlag RGZM und Schnell und Steiner, Regensburg/Mainz 2008
  • Die römische Armee, Bewaffnung und Ausrüstung, Graham Sumner, Motorbuchverlag, 2007
  • Die Hilfstruppen und Legionäre, Francois Gilbert, Motorbuchverlag, 2008
  • Reiter wie Statuen aus Erz, Marcus Junkelmann, Philipp von Zabern, 1996
  • Vegetius und die römische Flotte, Dietwulf Baatz, Ronald Bockius, Philipp von Zabern, 1997
  • Die Reiter Roms, Teil I: Reise, Jagd, Triumph, und Circusrennen, Marcus Junkelmann, Philipp von Zabern, 1998
  • Die Reiter Roms, Teil II: Der militärische Einsatz, Marcus Junkelmann, Philipp von Zabern, 1998
  • Die Reiter Roms, Teil III: Zubehör, Reitweise, Bewaffnung. Marcus Junkelmann, Philipp von Zabern, 1998
  • Die Römische Armee von Caesar bis Constantin (44 v. Chr.- 333 n. Chr.). Michael Simkins, Ronald Embleton. Brandenburgisches Verlagshaus, Siegler. 2005
  • Auf dem Weg zum Imperium, Eine Geschichte der römischen Armee. Kate Gilliver. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2003
  • Zwischen Patrouille und Parade, Die Römische Reiterei am Limes, Limesmuseum Aalen, Martin Kemkes, 1997

  • Lexikon der römischen Welt, J.-C. Fredouille, 2005, Nikol Verlag

  • Die Römer (Taktierer der Macht), H. D. Stoever, 1990, Bechterville Verlag

  • Das römische Reich, Flavio Conti (Hrg.), 2006, Kaiser Verlag GmbH

  • Die Prätorianer, H. D. Stoever, 1994, Langen Müller Verlag GmbH

  • Die Römer, Karfunkel-Codex, Ausg. 4/2006, Karfunkel-Verlag 

  • Die Legionen des Augustus, Marcus Junkenmann, 1986, Ph. v. Zabern Verlag